Insektenhaus

29. Jan. 2026

Kennt ihr diese Insektenhäuser, die – wie ich finde – aktuell voll im Trend sind?
Ob schnell im nächsten Supermarkt gekauft oder mit viel Liebe selbst gebaut:
Sie zeigen Fürsorge für die kleinsten, für uns noch sichtbaren Lebewesen – und Verbundenheit zur Natur.

Das finde ich unglaublich schön und unterstützenswert.

Und gleichzeitig frage ich mich immer wieder:
Muss es dafür ein eigenes Haus sein?

 

Holzbalken als Insektenhaus benutzt

Vor kurzem entdeckten wir bei unserem Haus ein grosses Ameisennest – belebt.

Auslöser war ein Wassereintritt.
Bei der Rinne neben dem Dachfenster hatte sich Schmutz angesammelt, das Wasser konnte nicht mehr abfliessen, lief über und gelangte über das Dach in die Fassade. Das feuchte Klima, das dadurch entstand, lockte Ameisen an – die darin ihr neues Zuhause fanden.

Der Schreiner staunte nicht schlecht, als er die innere, bereits mit Schimmel befallene Holzverkleidung entfernte und ihm hunderte kleiner schwarzer Krabbeltierchen entgegenkamen.
Schnell klebte er die Folie wieder zu – und blickte auf einen grossen schwarzen Fleck, dort, wo eigentlich Wärmedämmung sein sollte.

Ich informierte den bereits beauftragten Cleaner, dass er bitte auch etwas gegen Ameisen mitbringen solle – nicht nur gegen den Pilz, den der Trockner zuvor entdeckt hatte.

Nachdem alle Ameisen ausgezogen waren, konnten wir das Nest in Ruhe betrachten.

Die Bauweise ist beeindruckend und erinnert fast an Bienenwaben.

Doch nicht nur die Dämmung war Teil dieses Bauwerks – auch tragende Holzbalken wurden genutzt. Ein kurzer Test mit dem Schraubenzieher zeigte deutlich, welches Ausmass die Beschädigung bereits angenommen hatte.

Zur Sicherheit und auf Wunsch der Versicherung, wurde die Konstruktion komplett getrocknet.

Mit unserem Zimmermann entschieden wir uns dann dafür die beschädigten Balken auszuwechseln.

Nun haben wir wieder eine funktionierende Fassade mit Wärmedämmung die dämmt, Insektenschutzgitter, die weitere Bewohner den Zutritt zur Fassade verwehrt und einer Hinterlüftung, die das stetige Austrocknen der Dämmung unterstützt.

Insektenhaus integriert ja – aber nicht so.

Unser Ziel ist es, Gebäude so zu denken, dass Mensch, Tier und Natur Platz haben.

Aber bewusst.
Sinnvoll.
Und mit Verantwortung für das Ganze.

Denn Bauen bedeutet für uns nicht nur, Räume zu schaffen –
sondern auch, mit Bestehendem und der Umgebung achtsam umzugehen.

Manchmal zeigt uns ein Schaden, wo wir genauer hinschauen dürfen –
und lädt dazu ein, Dinge neu zu denken.

Aktuell kenne ich noch keine bessere Lösung, als Insektenhäuser bewusst als separate Elemente neben dem Menschenhaus zu platzieren.

Aber ich bin überzeugt:
Wenn wir beginnen, genauer hinzusehen, voneinander zu lernen und Verantwortung zu teilen, entstehen Schritt für Schritt neue Antworten.

Manche Gedanken möchten geteilt werden …