Bauen ist komplex – nicht erst seit gestern.
Vorschriften, Normen und Reglemente begleiten das Bauen seit vielen Jahrzehnten.
Neue Materialien, technische Innovationen und energetische Anforderungen sind längst Teil unseres Alltags.
Wir bauen seit langem Spitäler, Schulen, Wohnhäuser, Hochhäuser und anspruchsvolle Umbauten.
Aus unserer Sicht wird die Komplexität oft als Problem verstanden –
obwohl der eigentliche Knackpunkt woanders liegt.
In der Art, wie Verantwortung und Kompetenz im Bauprozess verteilt sind –
und in der Zusammenarbeit, die daraus entsteht.
Wenn Verantwortung weitergereicht wird
In vielen Projekten erleben wir, dass Verantwortung weitergereicht wird.
Erfahrung wird von Theorie überlagert.
Und Kontrolle ersetzt zunehmend Vertrauen.
Wo früher ein erfahrener Baufuchs auf der Baustelle Verantwortung übernahm –
direkt, deutlich und mit dem nötigen Gespür für den Moment –
diskutieren heute viele Beteiligte Details am Tisch:
oft zu spät, mit unklarer Zuständigkeit, ohne gemeinsames Ziel und stark aus der Theorie heraus.
Verantwortung wird weitergegeben, statt übernommen.
Symbolisch betrachtet will niemand den Ball wirklich fangen.
Die Folge sind Unsicherheit, Reibungsverluste und ein Miteinander,
das eher verwaltet als gestaltet.
Mehr Kontrolle löst nicht das eigentliche Problem
Als Reaktion darauf werden Prozesse häufig weiter aufgesplittert:
mehr Kontrollen, mehr Spezialist:innen, mehr Fachplanungen.
Viele haben etwas zu sagen –
aber nur wenige übernehmen Verantwortung für ihren Bereich.
Und jene, die Verantwortung tragen müssen, haben oft wenig Gestaltungsspielraum.
So entsteht eine Spirale, die Qualität mindert, Termine verzögert und Kosten steigen lässt.
Nicht aus Absicht – sondern aus einem System, das Verantwortung entkoppelt.
Wenn klar wird, wo die Probleme liegen,
stellt sich nicht die Frage nach mehr Kontrolle.
Sondern die Frage:
Wo Wertschöpfung wirklich entsteht
Wo entsteht Wertschöpfung am Bau?
Wertschöpfung entsteht dort, wo gebaut wird.
Bei den Menschen, die mit ihren Händen, ihrem Wissen
und ihrer Erfahrung Räume entstehen lassen.
Beim Maurer, der die Wände stellt.
Beim Zimmermann, der Tragwerk und Raum formt.
Beim Elektriker, der dem Haus Energie gibt,
beim Maler, der mit Farbe Atmosphäre schafft –
und bei all jenen, die mit ihrer Arbeit das Bauwerk Wirklichkeit werden lassen.
Planende Rollen begleiten diesen Prozess –
sie entwerfen, konstruieren, organisieren und koordinieren, damit das Zusammenspiel funktioniert und
Arbeiten gut, sicher und in Qualität ausgeführt werden können.
Wenn Kompetenz dort liegt, wo Verantwortung übernommen wird,
entsteht Eigenverantwortung.
Wo Eigenverantwortung gelebt wird, entsteht Vertrauen.
Wo Vertrauen ist, wächst Respekt.
Und wo Respekt vorhanden ist, wird Zusammenarbeit möglich.
Konflikte gehören zum Bauen
Bauen ist nie konfliktfrei.
Schallschutz, Wärmeschutz, Nachhaltigkeit als Beispiel sowie Kosten, Termine und Qualität
lassen sich nicht gleichzeitig maximal erfüllen.
Das liegt in der Natur der Physik und der Wirtschaft.
Es braucht deshalb Abwägung und ein echtes Miteinander.
Erst wenn alle Beteiligten gehört werden und ihre jeweilige Rolle ernst genommen wird,
entstehen tragfähige, für das Projekt stimmige Entscheidungen.
Bedenken und Fehler als Teil von Qualität
Bedenken auszusprechen ist kein Zeichen von Schwäche – sondern ein Beitrag zur Qualität.
Gute Teams sprechen Bedenken aus, bevor daraus Fehler werden.
Fehler früh zu benennen spart Zeit, Kosten und Nerven und macht sie überhaupt erst lösbar.
Funktionierende Teams benennen Fehler und gehen verantwortungsvoll damit um.
Aus Fehler lernt man – und die anderen lernen mit.
Daraus entsteht Erfahrung.
Der Wunsch nach einer anderen Haltung
Einen Prozess, in dem Verantwortung dort liegt, wo Wirkung entsteht.
In dem Ausführende, Planende, Bauherr:innen und Lieferanten gemeinsam denken, entscheiden und tragen.
Nicht hierarchisch.
Sondern im Bewusstsein der jeweiligen Rolle.
Bauen als gemeinsamer Prozess
bau.zusammen versteht Bauen deshalb als einen gemeinsamen Prozess.
Einen Prozess, der Struktur braucht – und Menschlichkeit.
Der Erfahrung ernst nimmt – und Lernen zulässt.
Und der Raum schafft für Qualität, Verantwortung
und Freude am gemeinsamen Tun.

